Gespeichert unter: Im falschen Film | Schlagworte: Crystal Skull, Film, Harrison Ford, Indiana Jones, Indy, Kino, Kristallschädel
Nach langer Zeit habe ich endlich mal wieder einen Film am Tag seines Erscheinens gesehen: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull am 22. Mai. Viel wurde diskutiert, viel gelesen, viel gelobt, viel kritisiert. Nichtsdestotrotz war die Vorfreude natürlich groß bei kleinen und großen Indy-Fans. Und da ich ganz unverblümt meine Eindrücke schildern möchte, kommt jetzt der:
+++ SPOILER ALARM +++ ACHTUNG +++ SPOILER ALARM +++ ACHTUNG +++
Meine Meinung zum Film bleibt geteilt. Es waren Szenen darin, die wundervoll Indy-mäßig und komisch sind und glitzernd den Schein ‘alter Zeiten’ widerspiegeln. Die Szene im Treibsand, als Sidekick Shia LaBeouf aka Mutt Indy mit einer Schlange versucht aus dem versinkenden Grund zu ziehen, ist einfach traumhaft komisch. Don’t call it a snake, call it a rope! Apropos Sidekick: Shia LaBeouf macht sich ganz wunderbar, auch wenn er so auf den ersten Blick gar nicht ins Indiana-Jones-Universum passt. Die Zankereien zwischen Papa Indy, Mama Marion und Sohn Mutt passen ebenfalls wundervoll dazu, und Cate Blanchett als fiese Russen-Bitch im Kampf gegen kommunistische Kollektivameisen ist sowieso eine Augenweide. Die Szene, als Marion den Wagen der Indys in einen Abgrund steuert und zielgenau in einer Art Gummibaum landet, zeigt, wie schön man neue digitale Bildwelten selbst in alte Schinken wie Indiana Jones integrieren kann, ohne den Charme der Reihe zu zerstören.
Was leider nicht immer gelingt. Irgendwie bleibt der Gesamteindruck seltsam hölzern, oder eher, aus Plastik. Wie der seltsam billige Kristallschädel. Also wirklich, war beim Millionenbudget kein Kristallschädel drin, der wenigstens so aussieht wie einer, der auch wirklich auch Kristall ist? Der Schädel sieht aus wie aus einem Kaugummiautomaten. So sehen Kristallschädel aus (ja, die gibts wirklich, auch wenn man bis heute darüber diskutiert ob sie nicht eine Fälschung sind, ganz kurz gesagt):

Sinnbild für diese Filmwelt aus Plastik liefert der Film praktischerweise gleich selbst mit. Als Indy in dieser komplett künstlichen Plastkstadt mit künstlichen Plastikmenschen für einen Atombombentest umherirrt, drückt das genau das Gefühl aus, wie man sich im Kino manchmal vorkommt. Bevor sich Indy in den berüchtigten Kühlschrank verzieht wohlgemerkt - auch nicht gerade eine drehbuchschreiberliche Glanzleistung, wie sie einem echten Indiana Jones wert gewesen wäre.
Auch darüber hinaus bleiben viele Elemente des Films seltsam platt. Die Rätsel sind lahm, selbst das Gold und die Schätze in der ‘Stadt aus Gold’ wirken matt, unpoliert, unecht. Dreifachagent Mac ist so ein Paradebeispiel: Er ist wie ein Hund, den Indy hinter sich herzieht, weil er nicht weiß wohin damit. Die Figur bleibt so platt, dass man sich irgendwann wünscht, den Charakter würde früher das zeitliche segnen, aber anscheinend war er narrativ noch irgendwie vonnöten, um die Russen auf die richtige Fährte zu locken. Na und dann… Plastikaliens, oh, entschuldigung, interdimensionale Wesen? Irgendwie - passt das einfach nicht. Nicht zu Indiana Jones. Oder zumindest nicht in der Weise, wie es in diesem Film gemacht wurde. Irgendwie hat man das Gefühl, den Drehbuchschreibern wäre nichts mehr vernünftiges eingefallen, also wurde die Generalkeule ‘Außerirdische’ bemüht. Es lässt einen aber irgendwie unbefriedigt zurück, da Interdimensionalität und Archäologie à la Indiana Jones eben nur bedingt zusammenpassen.
Und dabei waren die alternden Professoren so ein tolles Thema, genauso wie die Thematik des kommunistischen Russlands versus kapitalistisches Amerika. Es hätte nur irgendwie besser umgesetzt werden können. We are now at that age, where more things are taken away from than given to us. Das erfährt auch Indy in seinem vierten Abenteuer auf eine schmerzhafte Art und Weise.
Trotzdem ist es immer noch tolles Popcorn-Kino, und schließlich sollte ja allein Indiana Jones aka Harrison Ford noch einmal in seiner Paraderolle für hartgesottene Indy-Fans als Legitimation reichen. Denn: For an old guy, you ain’t bad in a fight.
