crazy|karo’s Blog


Der grosse Krieg?

Sozusagen ein Nachtrag zu Heidelberg, denn diesem Umstand wollte ich einen eigenen Eintrag widmen, mehr oder weniger losgelöst von Heidelberg. Da war doch an der Karl-Theodor-Brücke eine auf den ersten Blick recht unscheinbare Plakette angebracht, die aber auf den zweiten Blick meine Aufmerksamkeit erregte. Die Brücke war im zweiten Weltkrieg 1945 gesprengt worden und 1947 wieder aufgebaut. Und nun einen close look auf die besagte Plakette:

Ich muss sagen, mir war bisher nicht bewusst, dass der zweite Weltkrieg, während der zweite Weltkrieg noch lief und wohl auch kurz danach (mindestens bis 1947, von wann ja die Plakette stammen muss), gar nicht so hieß. Sondern der “große” Krieg. Wann wurde denn der große Krieg zum zweiten Weltkrieg? Und wieso hieß er nicht vorher so? Brauchte es historische Distanz, um dem Krieg seinen Namen zu geben? War der Schrecken so groß das man einfach kein anderes Wort wusste als “groß” in dem Moment? War das nur in Deutschland so, dass man “der große Krieg” zu sagen pflegte? Wie wurde dann der erste Weltkrieg während dem zweiten Weltkrieg genannt? Und wann wurde dann der erste Weltkrieg zum ersten Weltkrieg? Hatte er vorher auch einen anderen Namen?

Viele Fragen, die sich allein um so eine unscheinbare Inschrift ranken…



Dear beloved…
17. Mai, 2008, 11:57
Gespeichert unter: Weltfrieden | Schlagworte: , , , , , , , , ,

Der kalifornische Supreme Court hat entschieden: Gleichgeschlechtliche Partner dürfen genauso heiraten wie Mann und Frau. Toll, denkt man sich da, Liebes Amerika, willkommen in der modernen Welt. Wären da nicht die Unsummen an lächerlichen Reaktionen auf diese Entscheidung. Wie die Überschrift zu dieser “Untat” des kalifornischen Gerichtshofes zum Beipiel beim Newsportal VirtueOnline.org aussieht (”TugendOnline” - was für ein Blödsinn) könnt ihr euch sicher denken: “Kalifornischer Gerichtshof zwingt dem Staat die homosexuelle ‘Ehe’ auf”. Das Wort ‘Aufzwingen’ spricht da schon Bände. Und ‘Ehe’ in Anführungszeichen, wohlgemerkt.

Da wird dann zum Beispiel stolz berichtet, dass ja schon 1,1 Millionen Kalifornier ihre Unterschrift gegen die Entscheidung des Gerichtshofes auf ProtectMatriage.com eingereicht haben. Herrjee. 1,1 Millionen Leute, die anscheinend in ihrem Leben nichts besseres zu tun haben, als anderen Leuten ihr Leben schwerzumachen. Hallo, habt ihr keine anderen Probleme? Kriminalität, Gewalt, Drogen, die Zerstörung unseres Planeten, sucht euch was euch gegen was ihr kämpft. Und kehrt doch vor allem erst mal euren eigenen Mist bevor ihr anderen Leuten vorwerft, welchen zu produzieren.

Und dann wird da jemand zitiert, der vor dem Zitat erst mal als “ehemaliger Homosexueller” tituliert wird. Was für ein himmelschreiender Blödsinn! Da wird in einem lapidaren Nebenkommentar erst mal impliziert, dass Homosexualität sowas wie eine Krankheit oder ein Irrglaube sei, etwas, dass man abstreifen kann wie einen Mantel. Und zum anderen möchte man sich damit seiner eigenen Unschuld und Pseudo-Toleranz vergewissern, nach dem Motto “Hey, wir sind doch alle so tolerant, wir lassen sogar einen ehemaligen (!!!) Schwulen zu Wort kommen”.

Dem nicht genug, setzt das Zitat selbst von diesem “ehemaligen Homosexuellen” dem ganzen die Krone auf. Da denkt man sich ja eigentlich, dass diese armen Leute einfach keine anderen Probleme haben, dass ihnen langweilig ist oder dass sie einfach Spaß haben, anderen Leuten das Leben zu vermiesen. Aber nein! Natürlich haben sie einen guten Grund: “My immediate concern is for America’s children — children who will be deceived into believing this sinful activity is normal and natural: it is not.”

Argh. Na klar, die unschuldigen Kinder müssen wieder als Ausrede für menschenverachtendes Tun herhalten. Also ich bin jetzt kein Experte und weiß keine Zahlen, aber ich möchte auch gar nicht wissen wieviele Kinder in gleichgeschlechtlichen Ehen in Kalifornien und anderswo geschlagen, gequält, missbraucht, vernachlässigt und “zur Sünde geführt” werden, um mal im Vokabular der Herren VirtueOnline zu bleiben.

Wahrscheinlich ist das ganze intolerante Gesocks in seinen eigenen gleichgeschlechtlichen Ehen unglücklich, und gönnt anderen Paaren ihr Glück nicht, die halt zufälligerweise nicht gleichgeschlechtlich sind. Anders kann ich es mir nicht erklären, es gibt keinen rationalen, objektiven Grund, außer Neid, Missgunst und Engstirnigkeit. Was macht es für einen verdammten Unterschied wenn zwei Menschen sich lieben, was für ein Geschlecht, Rasse, Nationalität, Glaube, sonstwas sie angehören?

Es kommt selten genug vor, dass sich zwei Menschen uneingeschränkt füreinander bestimmt fühlen. Und ihnen aufgrund einer so arbiträren Kategorie wie Geschlecht ihr Glück zu verweigern, ist für mich Menschenverachtung und Frevel aus Langeweile und Neid. Liebe Kalifornier und andere engstirnige Amerikaner, Deutsche und überhaupt alle Erdenbürger die ebenso denken: Kümmert euch um die wirklich wichtigen Probleme auf dieser Erde und lasst Liebespaare heiraten wen sie wollen.



Vom Eis- zum Weißbär
6. Mai, 2008, 9:03
Gespeichert unter: Weltfrieden | Schlagworte: , , , , , , , ,

Ob Knut oder Flocke - große und kleine Eisbären sind gerade einfach total in Mode. Was recht selten bis gar nicht im wilden Medienrummel zur Sprache kommt, ist das Paradox, wie sehr wir uns über ‘künstlich’ geborene Eisbärbabies im Zoo freuen, während wir munter weiter CO2 und Schlimmeres in die Atmosphäre blasen und schön langsam das natürliche Habititat der Eisbären wegschmelzen lassen. Während die Welt mehr oder eher weniger effektiv über Maßnahmen gegen den Klimawandel diskutiert, wird der Eisbär längst zum Weißbär: Wenn das Eis weg ist, muss sich der Eisbär wohl seinen ‘niedrigeren’ Verwandten wie dem Schwarz- oder Braunbären anschließen und sich über seine Fellfarbe definieren statt seinem dahingeschmolzenen Lebensraum. Wird es noch wärmer, werden wir ihn wohl oder übel Schweißbär umtaufen müssen. Angesichts der Probleme der echten, freilebenden Eisbären erscheinen die neuen Züchtungserfolge der Zoos und das Medientrara der Deutschen in einem anderen Licht. Eisbärbabies sind ja beileibe nichts neues, und ja, sie sind wirklich unfassbar süß - aber die Ekstase über den Weißbärnachwuchs im Zoo wirkt manchmal wie eine Absage an ein Klima, in dem es noch Eis und Eisbären gibt. Hey, endlich können wir die Polkappen abschmelzen lassen, wir können jetzt die knuffigen weißen Bären selber züchten. Sehr überspitzt ausgedrückt und polemisiert.

Und während bei uns das Klimabewusstsein zumindest langsam wächst, scheint man in Amerika - teilweise, und leider auch nicht nur dort - eine andere Strategie zu verfolgen. Ist ein Fakt nur unangenehm genug für einige, wird er kurzerhand zum (Irr-)Glaube erklärt. Bei dieser Ansicht verknoten sich regelmäßig meine Hirnsynapsen - vom Menschen verursachte Klimaerwärmung ist doch nichts woran man glauben kann, es ist ja keine Religion, sondern hier wird über wissenschaftliche Fakten diskutiert. Fakten, die man natürlich unterschiedlich deuten kann, aber im Grundsatz stimmen doch alle überein - keiner zweifelt mehr ernsthaft an einer vom Menschen verursachten Klimaerwärmung an sich. Global Warming allen Ernstes als Lüge und Mythos zu bezeichnen, und auch noch andere Leute über diesen ‘Irrglauben’ aufklären zu müssen, ist nicht mehr Unwissen oder Dummheit, sondern schlicht unverantwortlich, rücksichtslos und von einer unvergleichlichen Nach-mir-die-Sintflut-Qualität. Und ist vor allem selbst eine bequeme Lüge, ein angenehmer Mythos, ein zweckdienlicher Irrglaube, um so weitermachen zu können wie bisher und sich nicht in seinem Lebensstil einschränken zu müssen. Hier kann man sich als Diskussionsgrundlage schon einmal mit Argumenten gegen die zehn beliebtesten Anti-Klimaerwärmungs-Gebote eindecken. Und wenn wir uns Flocke oder Knut ansehen gehen oder in Zeitung/Fernsehen/Radio von den kleinen Eisbären hören, sollten wir einfach nicht vor Ekstase die freilebenden Verwandten vergessen und den Klimawandel und seine Konsequenzen im Hinterkopf behalten. Zum Abschluss noch ein Foto von Flocke (von der Seite der Stadt Nürnberg), weil sie so süß sind, die kleinen Eis-Weiß-Schweißbären.



Wenn sich zwei streiten
21. April, 2008, 11:39
Gespeichert unter: Weltfrieden | Schlagworte: , , , , , ,

…freut sich der dritte, und wer anderen eine Grube gräbt… na ihr wisst schon. Traurigerweise bewahrheitet sich ersteres Sprichwort gerade exemplarisch im amerikanischen Wahlkampf. Umfragen zufolge ist nun eingetreten, was bei dem ewigen Kampf zwischen Obama und Clinton leider zu erwarten war: McCain hat nun die Gunst der Mehrheit in den USA.

Applaus. Bravo. Die Democrats als Partei schießen sich echt mal seit geraumer Zeit selber ins Bein (hmm… das Sprichwort geht irgendwie anders…). Mein ehemaliger und sehr geschätzter Kollege und Freund Budi würde sagen: “Ein zweischneidiges Pferd”. Zum einen diese mir unverständliche Misere mit den Stimmen der Deligierten in Michigan und Florida, zum anderen diese nicht endende Schlammschlacht zwischen den beiden Kandidaten. Es liegt ja nun wirklich nahe, dass das schmutzige Wäsche waschen zwischen Obama und Clinton das beste ist, was den Republikanern je passieren konnte im Wahlkampf. Aber wieso um alles in der Welt leuchtet das denn den Democrats nicht ein? Wie kann man denn nur so kurzsichtig sein? Ich muss auch dazusagen, dass ich die Schnepfe Clinton ja gar nicht mag, Frau hin oder her, ich mag sie einfach nicht. Von meiner persönlichen Meinung aber mal abgesehen, liegt sie im Moment hinten, und ich hoffe so so so sehr, dass sie zumindest noch eine sinnvolle Sache tut, und das ist Obama den Vortritt zu lassen und die Schlammschlacht zu beenden, damit die Democrats überhaupt noch eine Chance haben die Wahl zu gewinnen. Dann ist auch endlich mal Zeit und Raum in der Presse um mal schmutzige Wäsche bei McCain zu suchen oder - Hey! - sich mal um die wirklich politischen Themen im Wahlkampf zu kümmern. Das soll ja nicht unwichtig sein, habe ich mal so irgendwo gehört.

Ich glaube, dass man diesen Streit viel früher hätte lösen können, hätte bei den Democrats der (die?) eine oder andere mal weniger an sich, und mehr an die Partei und vor allem an die Bürger Amerikas gedacht… Naja, das trifft ja leider nicht nur auf die USA zu, sondern gilt wohl für die meisten Länder (außer Bhutan, aber die Geschichte gibt es ein anderes Mal). Das war meine Portion Weltfrieden zum globalen Senf für heute. Zum Abschluss noch ein absolut genialer Blog-Tip: http://usaerklaert.wordpress.com/ - Alles, was man sich schon immer über Amerika gefragt hat. Von Wahlsystem bis Rootbeer, und so unfassbar gut und lustig geschrieben, dass jeder mit einem Fünkchen echtem Interesse an den USA den Blog zumindest mal kennen sollte. Und man hat noch jede Menge Spaß beim lesen!



Das Tibet-Paradox
14. April, 2008, 14:44
Gespeichert unter: Weltfrieden | Schlagworte: , , , , , , , ,

Im Moment wird man zwar mit Tibet-News nur so überschüttet, aber auch wenn es der 348.875ste Kommentar dazu ist, muss ich nun doch mal was dazu loswerden. Den kürzlichen Offenbarungen der chinesischen Regierung zufolge, ich zitiere von der Süddeutschen Zeitung, hat der Staats- und Parteichef Hu Jintao dem Dalai Lama mal wieder vorgeworfen, “Gewalt anzustacheln und die Olympischen Spiele in Peking sabotieren zu wollen”. Argh. Da könnte ich echt durchdrehen. Hallo?? Wer ruft denn dauernd dazu auf, gewaltfrei vorzugehen und droht mit Rücktritt bei einer Eskalation?? Aha! Der Dalai Lama. Und wer sagte schon ganz zu Anfang der neu aufgebrodelten Tibet-Tragödie, dass ein Boykott der Olympischen Spiele keine gute Idee wäre? Oh, welch Überraschung, der DALAI LAMA. Die chinesische Regierung ist entweder a) wirklich saublöd oder b) sie tut saublöd. Es ist doch echt kein Wunder, dass die tibetische Bevölkerung nach 50 Jahren Gewaltlosigkeit im Sinne vom Dalai Lama mal austickt, weil die Gewaltlosigkeit eben nichts zu der Verbesserung ihrer Lebenssituation beigetragen hat. Und sie von Schwachköpfen regiert werden, die entweder doof sind oder zumindest so tun als ob. Der Dalai Lama ruft zwar immer noch zur Gewaltfreiheit auf, aber ob sich die Tibeter aus ihrem Frust heraus davon noch lange beeindrucken lassen ist eine andere Sache. Und mit dem Dalai Lama will die chinesische Regierung nicht reden, weil? Genau, er zu Gewalt anstachelt. Da beißt sich die Katze in den Schwanz, das ganze ist so paradox und absurd wie ein Nutellabrot mit Salami und Holzschrauben. Oder ein Pottwal und ein Petunientopf. Oh no, not again…

Hier übrigens der paradoxe Beweis dass sich die Chinesen sogar selber boykottieren. Da helfen ein paar Chinesen irgendwas beim Tragen der olympischen Fackel und löschen sie bei der Übergabe. Aus Versehen. Hihi.