Der kalifornische Supreme Court hat entschieden: Gleichgeschlechtliche Partner dürfen genauso heiraten wie Mann und Frau. Toll, denkt man sich da, Liebes Amerika, willkommen in der modernen Welt. Wären da nicht die Unsummen an lächerlichen Reaktionen auf diese Entscheidung. Wie die Überschrift zu dieser “Untat” des kalifornischen Gerichtshofes zum Beipiel beim Newsportal VirtueOnline.org aussieht (”TugendOnline” - was für ein Blödsinn) könnt ihr euch sicher denken: “Kalifornischer Gerichtshof zwingt dem Staat die homosexuelle ‘Ehe’ auf”. Das Wort ‘Aufzwingen’ spricht da schon Bände. Und ‘Ehe’ in Anführungszeichen, wohlgemerkt.
Da wird dann zum Beispiel stolz berichtet, dass ja schon 1,1 Millionen Kalifornier ihre Unterschrift gegen die Entscheidung des Gerichtshofes auf ProtectMatriage.com eingereicht haben. Herrjee. 1,1 Millionen Leute, die anscheinend in ihrem Leben nichts besseres zu tun haben, als anderen Leuten ihr Leben schwerzumachen. Hallo, habt ihr keine anderen Probleme? Kriminalität, Gewalt, Drogen, die Zerstörung unseres Planeten, sucht euch was euch gegen was ihr kämpft. Und kehrt doch vor allem erst mal euren eigenen Mist bevor ihr anderen Leuten vorwerft, welchen zu produzieren.
Und dann wird da jemand zitiert, der vor dem Zitat erst mal als “ehemaliger Homosexueller” tituliert wird. Was für ein himmelschreiender Blödsinn! Da wird in einem lapidaren Nebenkommentar erst mal impliziert, dass Homosexualität sowas wie eine Krankheit oder ein Irrglaube sei, etwas, dass man abstreifen kann wie einen Mantel. Und zum anderen möchte man sich damit seiner eigenen Unschuld und Pseudo-Toleranz vergewissern, nach dem Motto “Hey, wir sind doch alle so tolerant, wir lassen sogar einen ehemaligen (!!!) Schwulen zu Wort kommen”.
Dem nicht genug, setzt das Zitat selbst von diesem “ehemaligen Homosexuellen” dem ganzen die Krone auf. Da denkt man sich ja eigentlich, dass diese armen Leute einfach keine anderen Probleme haben, dass ihnen langweilig ist oder dass sie einfach Spaß haben, anderen Leuten das Leben zu vermiesen. Aber nein! Natürlich haben sie einen guten Grund: “My immediate concern is for America’s children — children who will be deceived into believing this sinful activity is normal and natural: it is not.”
Argh. Na klar, die unschuldigen Kinder müssen wieder als Ausrede für menschenverachtendes Tun herhalten. Also ich bin jetzt kein Experte und weiß keine Zahlen, aber ich möchte auch gar nicht wissen wieviele Kinder in gleichgeschlechtlichen Ehen in Kalifornien und anderswo geschlagen, gequält, missbraucht, vernachlässigt und “zur Sünde geführt” werden, um mal im Vokabular der Herren VirtueOnline zu bleiben.
Wahrscheinlich ist das ganze intolerante Gesocks in seinen eigenen gleichgeschlechtlichen Ehen unglücklich, und gönnt anderen Paaren ihr Glück nicht, die halt zufälligerweise nicht gleichgeschlechtlich sind. Anders kann ich es mir nicht erklären, es gibt keinen rationalen, objektiven Grund, außer Neid, Missgunst und Engstirnigkeit. Was macht es für einen verdammten Unterschied wenn zwei Menschen sich lieben, was für ein Geschlecht, Rasse, Nationalität, Glaube, sonstwas sie angehören?
Es kommt selten genug vor, dass sich zwei Menschen uneingeschränkt füreinander bestimmt fühlen. Und ihnen aufgrund einer so arbiträren Kategorie wie Geschlecht ihr Glück zu verweigern, ist für mich Menschenverachtung und Frevel aus Langeweile und Neid. Liebe Kalifornier und andere engstirnige Amerikaner, Deutsche und überhaupt alle Erdenbürger die ebenso denken: Kümmert euch um die wirklich wichtigen Probleme auf dieser Erde und lasst Liebespaare heiraten wen sie wollen.