Zeitungstausch
Der Tag hat komisch angefangen. Statt meiner vertrauten Süddeutschen Zeitung blinzelte mir heute ein Exemplar der Erlanger Nachrichten aus meinem Briefkasten entgegen. Was kein adäquater Ersatz ist für die Süddeutsche. Und vor allem, ich weiß nicht warum!
Bisher dachte ich, jede Zeitung hätte ihre eigenen Zeitungsboys, die da in aller Herrgottsfrühe ihr Druckerzeugnis in die Briefkästen befördern. Aber dass heute plötzlich die Erlanger Nachrichten bei mir landeten, kann ja nur einen Schluss zulassen: Dass die Zeitungsausträger für verschiedene Zeitungen gleichzeitig austragen und sich derjenige - wohl noch schlaftrunken - heute in der Zeitungssorte geirrt hatte. Denn wenn mein Zeitungsbeauftragter nur von der Süddeutschen wäre und es schlicht und einfach vergessen hätte, mir heute ein Exemplar einzuwerfen, wäre doch der Zufall arg gewaltig, wenn genau an dem Tag, an dem der Süddeutsche vergisst, seine Zeitung bei mir einzuwerfen, der Erlanger aus Versehen bei mir ein Exemplar seiner Zeitung los werden würde.
Auf jeden Fall war der Tag damit verkorkst und irgenwie schief. Man entwickelt wohl im Alter so seine Rituale, die den Alltag strukturieren, und fehlt etwas oder kann man eine Abweichung vom Normalzustand registrieren, geht damit auch irgendwie gleich der ganze Tag dahin. Alles wird irgendwie - krumm.
Ich hoffe, morgen wieder eine Süddeutsche in meinem Briefkasten zu entdecken.
Die fünfte Jahreszeit
13. Mai, 2008, 15:34
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Jeder gestandene Franke weiß wahrscheinlich, dass wir uns gerade in der fünften Jahreszeit befinden: Die Bergkirchweih in Erlangen. Heute wollen wir uns denjenigen armen Menschen widmen, die die fünfte Jahreszeit noch nicht erleben durften beziehungsweise gar nichts von ihrer Existenz wissen, und erklären, was der “Berch” denn überhaupt ist.
Die Bergkirchweih ist Deutschlands ältestes und (nach den Besucherzahlen) drittgrößtes Bierfest: Im Jahre 2005 feierte das Spektakel sein 250jähriges Bestehen. Stattfinden tut es jeweils an Pfingsten (Nomen-est-Omen) an einem Berghang im kleinen Städtchen Erlangen bei Nürnberg. Der Hang des Burgbergs ist etwa einen Kilometer lang und bietet 11.000 Sitzplätze an fest installierten Holztischen, meist wird aber sowieso auf den Bänken getanzt und nicht gesessen. An den zwölf Tagen des “Berchs” (fränkisch für “Berg”) kommen etwa eine Million Besucher, was etwa zehnmal so viel ist wie Erlangen sonst an Einwohnern hat. Besondere Attraktionen sind die Bierkeller, die sich als Stollen bis zu 860 Meter in und durch den Berg hindurchziehen. Aufgrund ihrer konstant kühlen Temperatur waren sie optimal zum Reifen und Lagern von Bier geeignet und wurden schon im 17. Jahrhundert dafür genutzt (zumindest wurde im Jahre 1690 mit dem Bau des jetzigen Henninger-Kellers begonnen, man schätzt den Bau der ersten Keller auf 1675).
An den Universitäten Erlangen-Nürnberg gab es bis zum Jahre 1998 exklusiv die einwöchigen Bergferien, da mit betrunkenen Studenten und Dozenten naturgemäß kein geregelter Universitätsbetrieb möglich war. Die wurden allerdings 1999 abgeschafft, übrig blieb nur der (vorlesungsfreie) Dienstag nach Pfingsten, was von den Studenten mit Kommentaren wie “Ein Verlust von Kulturgut zu Gunsten einer nicht gerade erfolgversprechenden Hochschulpolitik” quittiert wurde. Ob der Universitätsbetrieb nun geregelter abläuft bleibt sowieso fraglich.
Ich hoffe, ich konnte etwas Licht in die dunklen Gehirnwindungen der Nichtwissenden bringen. All diese und noch mehr Informationen unter www.der-berg-ruft.de.
Von zahm bis Wild: Der Hirsch ist auf der Pirsch!
27. April, 2008, 11:00
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Die neue (Anti-)Werbekampagne von Jägermeister sollte inzwischen den meisten bekannt sein - falls nicht, sollte man das schleunigst unter www.keinjaegermeister.de nachholen. Da wir performativ und postmodern sind und uns gerne selbst inszenieren, mussten wir natürlich auf die offizielle Kein-Jägermeister-Party gehen, die gestern in Erlangen im Kanapee gastierte. Standesgemäß natürlich ganz in Pastell, spießig und kariert. Bis 22.30 Uhr war von der Party nicht viel zu bemerken außer ein wenig Jägermeister-Deko. Dann wurde jedoch plötzlich der Kein-Jägermeister-Dubiduu-Jingle in Endlosschleife gespielt, und ein Blockflöten-Mann in pastellgelb und eine Triangel-Frau in zartem rosa verteilten spießige Stofftaschentücher. Die Sorte, in die sich alte Männer immer schneuzen. Nach einer Runde durchs Lokal kam dann der wilde Teil der Party, der Hirsch, wilde Musik, schrille Farben, nackte Haut. Blumenketten und T-Shirts mit Jägermeister-Logo und leuchtende Ketten zum umhängen. Nach dem ersten freien, eisgekühlten Jägermeister im stilechten Reagenzglas dachte ich mir “Na endlich, springt ja doch noch ein Jägermeister raus”. Nach dem fünften Reagenzglas dachte ich dann nicht mehr wirklich viel, aber auf jeden Fall war da das Gefühl, dass sich die Warterei ja doch noch gelohnt hat. Und natürlich gibt es auch ganz zahme und ziemlich wilde Fotos.
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Stößchen!
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Ziemlich zahm!
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Soviel Dubiduu ist ganz schön anstrengend...
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Achtung jetzt wird's wild!
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Der Hirsch ist auf der Pirsch...
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...und vergnügt sich an unserem Tisch
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Die Original Jägermeister-Blumenkette und Trinkgefäße
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Und die Jägermeister-Leucht-Kette! (Danke Felix!)
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Der zahme Ceasar winkt dem Volke zum Abschied
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Hach...
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Das erste Dekret des jungen Caesars: Jägermeister für alle!
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Ziemlich zahm?? Nein, ganz wild!!